Brackschafe, der Jahreswechsel und die nächste Charge Wurst

Erstmal Dir und euch ein frohes neues Jahr! Ich hoffe, ihr hattet schöne Weihnachten und habt vielleicht noch etwas Urlaub oder wenigstens die Ruhe, die ersten Tage des neuen Jahres nur mit euch und lieben Menschen aus eurer Umgebung zu verbringen.

Ich mag die Zeit um den Jahreswechsel sehr. Mir wird aber gerade in dieser Zeit auch immer wieder bewusst, dass mein und unser Leben als Teil einer Wanderschafherde, neben all den schönen und besonderen Erlebnissen, auch einen gewissen Verzicht erfordert. Während wir Weihnachten beide bei der Herde verbracht haben, ist der Max zu Sylvester dann Freunde besuchen gefahren. Ich habe der Bande am 31. ein kleine Koppel gesteckt (im Bild oben zu sehen), habe dann ein Feuerchen im Ofen gemacht und bin am Neujahrsmorgen ein Runde mit den Hunden gegangen.

Füße wärmen vor meinem Ofen. Die Socken hat meine Mutter mir zu Weihnachten gestrickt 😘

Die nächste Verkaufsrunde und was sind eigentlich Brackschafe

Kurz vor Ende des Jahres haben wir Brackschafe rausgesucht. Brackschafe sind Schafe, die in nächster Zeit zum Metzger sollen, die Herde also verlassen müssen. Es gibt sehr viele Gründe, ein Schaf als Brackschaf rauszuzeichnen. Die wichtigsten sind dabei verlorene Zähne und nicht vollständig zurückgebildete Euterentzündungen.

Wenn Schafen die Schneidezähne fehlen, können sie in der Regel auf den kurzen Wiesen unserer Sommerweide nicht mehr genügend fressen und werden über kurz oder lang stark abmagern. Solche Schafe werden dann auch anfälliger für Krankheiten und wir schauen grundsätzlich 1-2 mal im Jahr bei allen Schafen die Zähne an, um sie rechtzeitig rauszusuchen.

Bei den nicht vollständig zurückgebildeten Euterentzündungen ist es etwas komplizierter. Zwar ist die Entzündung selbst abgeheilt und dem Schaf geht es wieder gut, aber sie werden in Zukunft oft nur noch auf einer Euterseite Milch geben.Unsere Schafe bekommen in vielen Fällen aber Zwillinge. So ist die Gefahr dann groß, dass eben diese Schafe dann nur eines ihrer Lämmchen versorgen können. Da wir ja nicht bei jeder Geburt dabei sind kann es dann auch sein, dass die für das Immunsystem der Lämmer essentielle Biestmilch der einen Euterhälfte nicht für beide Lämmer reicht und die sie in der Folge häufig kränkeln und nicht selten auch daran sterben. Ein paar Lämmer mit der Flasche aufzuziehen ist grundsätzlich möglich und ich mache das auch gerne, wenn die Lämmer dann aber kaum ein Immunsystem haben, drohen Darm- und Lungenentzündung, Infekte und allerlei denkbar schlimmes Zeug. Kurz, auch eine verlorene Euterhälfte ist Grund genug für uns, die Schafe endgültig wegzugeben.

Mitte Januar haben wir einen Schlachttermin ausgemacht. Ab Anfang Februar wird es also voraussichtlich wieder eine neue Charge geben. Wir sind etwas unsicher, ob wir weiterhin nur Probierpakete oder auch Einzelverkäufe machen sollen. Uns wäre eure Meinung da jetzt wichtig. Einzelverkäufe sind natürlich aufwendiger und es besteht die Gefahr, dass wir auf einigen Sachen länger sitzen bleiben. Auf der anderen Seite besteht ja vermutlich auch Bedarf, die Lieblingswurst zu bestellen und man möchte vielleicht nicht wieder ein ganzes Paket. Falls ihr Wünsche oder eine Meinung dazu habt, könnt ihr einfach auf diese Mail antworten.

Änderungen im Shop

Seit der letzten Bestellrunde hat es ein paar Änderungen im Shop gegeben über die ich euch informieren möchte.

  • Ab sofort gibt es die Möglichkeit optional etwas mehr für unsere Produkte zu zahlen und uns damit zusätzlich zu unterstützen. Der sogenannte Förderbeitrag. Für uns besteht so die Option etwas mehr zu verdienen und trotzdem müssen wir nicht von allen einen höheren Betrag verlangen. (Die Sachen sind ja teuer genug) JedeR kann das jetzt selbst entscheiden. Je nach eigenen finanziellen Möglichkeiten. Der Preis ist ein großes Thema für uns, auch wenn wir alles sofort verkauft haben. Warum Schaf- und Lammfleisch eigentlich im Verhältnis so teuer ist, werde ich euch zu einem späteren Zeitpunkt mal schreiben.
  • Wir haben einen Mindestbestellwert von 20 Euro. Da die Probierpakete teurer waren, war das bisher nicht notwendig, aber ich habe das jetzt für den Einzelverkauf so eingestellt. Für uns macht das aus ökologischer Sicht einfach sinn nicht nur eine Dose zu verschicken. Zwar ist der Einkauf bei uns dann immer auch eine kleine Investition, aber die Sachen halten sich ja etwas und man kann vielleicht ja auch gemeinsam mit Arbeitskollegen oder Freunden bestellen. Um euch ein bisschen dazu zu erziehen, lieber seltener und dann etwas mehr zu bestellen, übernehmen wir ab 50 Euro weiterhin die Versandkosten. So können auch wir etwas dazu beitragen, Müll und Transporte zu vermeiden. Im Kühlschrank oder kühl und trocken gelagert, halten unsere Produkte in der Regel deutlich über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus.
  • Dann habe ich die Versandkosten auf € 4,90 (zzgl. MwSt) erhöht. Ich habe das einfach falsch kalkuliert und war etwas überrascht als DHL uns die Rechnung geschrieben hat.

Zu guter letzt

Euch wieder ein Dankeschön. Für uns ist es einfach eine fantastische Perspektive, die Brackschafe nicht mehr in andere Hände geben zu müssen. Ich hatte bei Instagram schon davon geschrieben. Normalerweise werden Brackschafe an einen Viehhändler verkauft. Während meiner Zeit als Schäfer in Wiesbaden hatte ich ein Erlebnis, dass mich bis heute nicht so richtig loslässt. Wir hatten damals 20 Brackschafe weggegeben. Eine Woche nach dem Verkauf hat der Viehändler dann angerufen und um EU-Handelspapiere gebeten. Die braucht man, um Schafe lebend aus der der EU zu bringen. Wir haben ihm die verweigert und trotzdem wusste ich das unsere Schafe noch leben und seit einer Woche in fremder Umgebung, irgendwo in Deutschland rumstanden. Auch wenn sowas natürlich nicht die Regel ist, lässt sich das nie ganz ausschließen. Ich habe damals beschlossen, dass ich sowas nie wieder möchte und danach auch immer gefragt, was mit den Tieren geschieht.

Wenn das mit unserer Selbstvermarktung jetzt so klappt, müssen wir unsere alten Schafe bis zum Tot nicht mehr aus der Hand geben und wir wissen auch, dass sie nicht irgendwo verramscht werden. Für einige ist das vielleicht eine etwas kranke Art der Respektsbezollung, aber uns geht es deutlich besser mit diesem Gedanken. Wenn es so weiterläuft haben wir mit eurer Hilfe, ein für uns extrem wichtiges Betriebsziel erreicht.

Habt eine gute Zeit!

Sven

4 Kommentare zu „Brackschafe, der Jahreswechsel und die nächste Charge Wurst“

  1. Seid ihr gerade am Bodensee unterwegs? Da hab ich an Silvester Schafe gesehen die eingezäunt waren. Das Bild würde auch dazu passen 😀.
    Viele Erfolg mit eurer Selbstvermarktung, mein Onkel hatte früher auch Schafe, weshalb mein Herz immer noch besonders an diesen Tieren hängt und ich mich freue wenn ich welche sehe.
    Liebe Grüße Anke

  2. Susanne Prill

    Lieber Sven,
    erst einmal wünsche ich Dir, Deinen Leuten und den Schafen ein gesundes, friedliches Neues Jahr.
    Zu Deiner Frage, ob Probepaket oder Einzelbestellungen:
    Jede Wurst war köstlich, ich würde das Paket wieder so bestellen. Auch, weil Du schreibst, dass es für euch so einfacher ist. Für mich dasselbe Prinzip wie bei den Abo-Gemüsekisten vom Bauernhof: Was da ist, wird abgenommen. Falls Ihr irgendwann von Dosen auf Gläser umstellt, fänd ich das gut. Freu mich auf die nächste Charge.
    Liebe Grüße von der Ostsee
    Susanne

  3. Hallo Sven, wir haben gestern deinen Kollegen mir der Herde im Rottumtal getroffen. Das war ein schönes Erlebnus zu unser Wandertour und wir haben viele neue Informationen erhalten. Ich finde es toll was Ihr da macht. Würde gerne ein Probepaket ausprobieren, da ich nicht weiß ob es mir schmeckt, bisher habe ich nur Käse oder mal eine Braten gehabt. Wie groß ist ein Paket, wie der Preis und könnte man es auch irgendwo abholen?
    Danke für eine Rückmeldung.
    Viel Grüße
    Margarethe

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